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domingo, 12 de julho de 2015

Der Pazifist unter den Bildhauern - Hommage an Karl Röhrig





Der Pazifist unter den Bildhauern - Hommage an Karl Röhrig


Alte Liebe vergeht nicht: 30 Jahre nach seiner ersten Hommage erinnert Gerhard Finckh erneut an Karl Röhrig.
Elberfeld. „Das ist ein bisschen wie beim ersten Kuss. Daran erinnert man sich immer.“ Gerhard Finckh sagt’s mit einem Lächeln – und denkt nicht etwa allein an die Damenwelt, sondern an einen ganz bestimmten Mann. Der Leiter des Von der Heydt-Museums meint die erste Ausstellung, die er vor exakt 30 Jahren betreut hat – und die galt Karl Röhrig (1886-1972).
Die Premiere im Stadtmuseum München hat der Kunsthistoriker bis heute nicht vergessen. Was läge also näher, als Röhrig auch in Wuppertal zu würdigen? Und so gilt: Während Kusserlebnisse allgemein Privatsache sind, sollen die Besucher des Von der Heydt-Museums an anderen Erinnerungen durchaus teilhaben.
„Der Mann von der Winterhilfe“: Der Börsenspekulant entlarvt sich selbst
Dabei hat sich Entscheidendes verändert – sonst wäre die neue Ausstellung ja auch nichts anderes als das Aufwärmen einer alten Liebe. Stattdessen soll sie frische Akzente setzen: „Damals, in München, haben wir quasi alles präsentiert, was Röhrig gemacht hat“, erklärt Finckh. „Nun zeigen wir das Wesentliche.“
Schließlich will Finckh den Blick pointiert auf das lenken, was den Pazifisten ausgezeichnet habe: seine sozialkritischen Werke, die er im Dritten Reich nicht ausstellen konnte. Ab Sonntag sind sie nun im Von der Heydt-Museum zu sehen. So ist es auch mehr als ein bloßes Lippenbekenntnis, wenn der Direktor von Karl Röhrig schwärmt wie von einer Jugendliebe: „Röhrig ist einer der bedeutendsten Bildhauer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, für mich ist er sogar der bedeutendste der 30er Jahre.“
„Der Mann von der Winterhilfe“ (1933) zeigt es vielleicht am eindrucksvollsten: Mit der Skulptur aus Holz und Aluminium entlarvt Röhrig den Nazi-Spießer. Er zeigt einen reichen Mann, der nicht nur einen dicken Bauch und eine Zigarre im Mund, sondern ganz offensichtlich auch die Überzeugung hat, sich neben einer Anstecknadel auch gleich einen Heiligenschein erkauft zu haben. Ein kleiner Obolus für das Winterhilfswerk macht ihn jedoch noch lange nicht zum großen Menschenfreund. Im Gegenteil. Die Zeitung, die – mit der Wirtschaftsseite nach oben – aus der Manteltasche hängt, verrät’s: Es ist ein Börsenspekulant, der sein Fähnchen zur rechten Zeit in den Wind hängt und als Kriegsgewinnler aus der allgemeinen Not Profit schlägt.
Satire im Museum: Spießbürger beim Sonntagsspaziergang
Auch die „Autofahrt“ und der „Sonntagsspaziergang“ – beide Skulpturen entstanden 1932 – sind an Sarkasmus kaum zu überbieten. Sie stehen für den Spießbürger und seine verlogene Moral. Die Collagen-Form war in der Bildhauer-Szene eine echte Neuheit. Bedeutend, so Finckh, seien die Werke deshalb gleich aus zweierlei Gründen – in formaler Hinsicht, aber auch wegen der intellektuellen Botschaft, die in ihnen steckt.
„Karl Röhrig ist die richtige Antwort auf Arno Breker“, betont Finckh. Während Breker für „die Propaganda und Massenverdummung des Dritten Reichs“ stehe, habe Röhrig deutlich Stellung bezogen und die Gegenposition vertreten. Seine Gesellschaftskritik musste jedoch zwangsläufig verpuffen: Zu Röhrigs Lebzeiten konnten die kleinformatigen Karikaturen keine große Wirkung entfalten. „Hätte er sie öffentlich ausgestellt, wäre er wohl im KZ gelandet“, sagt Finckh. Umso wichtiger ist dem 59-Jährigen nun der Rückblick: „Wir wollen zeigen, was Röhrig im Verborgenen geleistet hat.“
30 Jahre sind seit der letzten großen Röhrig-Ausstellung vergangen. Wieder ist es Gerhard Finckh, der das Ansehen des fast Vergessenen erhöhen möchte. Um Röhrigs „herausragende Bedeutung“ zu würdigen, hat er einen guten Teil der 20 Skulpturen auf eine Plattform stellen lassen. Wobei der Direktor passenderweise Farbe bekennt: Die Podeste sind rot – rot wie die Liebe.

Karl Röhrig wurde 1886 in Eisfeld (Thüringen) geboren. Er stammt aus einer Gärtnerfamilie. Zunächst arbeitete er als Modelleur in verschiedenen Porzellanmanufakturen, 1911 zog er nach München und begann ein Studium an der Kunstgewerbeschule. Die Teilnahme am Ersten Weltkrieg war ein rigoroser Einschnitt: Er kehrte als Pazifist und Sozialist zurück. Nach dem Ende des Studiums (1926) arbeitete er als freier Bildhauer in München. Seine Freundin Rosel konnte er aus finanziellen Gründen nicht heiraten. Ebenfalls an fehlenden Mitteln scheiterten Bewerbungen um Stellen in den USA, Afrika und der Sowjetunion – Röhrig blieb nur die innere Emigration. 1930 trat er der Münchner Künstlervereinigung „die juryfreien“ bei. 1933 wurde er deren Präsident. Doch kurze Zeit, nachdem er somit den beruflichen Höhepunkt erreicht hatte, wurde die Vereinigung vom NS-Regime aufgelöst. 1944 wurde er erneut eingezogen und geriet während des Zweiten Weltkriegs in Gefangenschaft. Weihnachten 1945 kam er zurück: Nach der persönlichen Nullstunde – Wohnung und Atelier waren zerbombt – „kam er nie wieder so richtig auf die Beine“, wie Gerhard Finckh bedauert. 1972 erhielt Röhrig den Schwabinger Kunstpreis – im selben Jahr starb er.

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